Tag 4 – Von Pitesti nach Istanbul

Warm und laut war die Nacht. Draußen brummen schon in Allerhergottsfrühe die ersten tonnenschweren LKW vorbei. Dafür hat Irina anständiges Frühstück gemacht. Duschen, Packen und los! Heute wird die Strecke eher langweilig sein. Wir wollen Rumänien verlassen, Bulgarien durchqueren, ein klitzekleines Stück Griechenland mitnehmen und dann in die Türkei einreisen. Stefan ist ein wenig bange – wir haben zolltechnisch-theoretisch etwas zuviel Rotwein an Bord. Papperlapapp…
An der bulgarischen Grenze treffen wir unsere Harzer Stammesgenossen wieder. Paule hat das mit der Maut nicht verstanden und fährt zwischen Rumänien und Bulgarien hin und her. Kleiner Grenzverkehr sozusagen.

Heute führend Cord und Carsten mit Clyde unsere kleine Kolonne an. Statt elektronischer Hilfsmittel nutzen sie standesgemäß eine alte ADAC-Karte zur Navigation. Ebenso standesgemäß landen wir auf diese Weise zuverlässig im Berufsverkehr von Bukarest. Wer fährt schon gern den kurzen Weg über die bequeme Umgehungsstrasse… ? 🙂
Knapp eineinhalb Stunden später sind wir auf der Strasse Richtung Edirne, türkische Grenze. Die weitgehend trostlose Landschaft Bulgariens zieht an uns vorbei. Am späten Nachmittag knurren die Mägen so sehr, dass wir noch einen Zwischenstopp in einer Kleinstadt einlegen. Hier ist der Ostblock noch Ostblock. In einem spartanisch ausgestatteten Restaurant in der Innenstadt, in der eine lustlose Bedienung uninteressiert ihren Job erledigt, strecken wir unsere müden Knochen aus. Cord und Carsten nehmen Schweinesteak mit gelbem Käse. Vielleicht war das aber doch Nachbars Katze — Cord hat den Rest des Tages Magendrücken.
Später an der türkischen Grenze dann die Überraschung. Statt langer Warteschlangen können wir direkt in die Grenzkontrolle fahren. Und erfreulicherweise treffen wir auf sehr freundliche Grenzer. Ein Blick auf unseren Rotwein, einmal an der Kiste Cohibas riechen – das war’s, gute Reise. Den kurzen Umweg über Griechenland haben wir uns auch geschenkt; und so sieht es danach aus, dass wir gegen 20:00 Uhr Istanbul erreichen sollen. Die Szenerie ändert sich nach der Grenze völlig. Statt trotzloser Einöde sehen wir hier in der West-Türkei perfekt ausgebaute Strassen, ordentlich bewirtschaftete Felder und große Industriegebiete. Was für ein Kontrast zu Bulgarien. Mittlerweile haben wir – von Bremen aus – über 3.000 Kilometer hinter uns.
Unterwegs buchen wir noch rasch ein Hostel für kleines Geld im Herzen von Istanbul, das Agora Guesthouse (Stefan, für Dich aufgeschrieben). Der Weg dorthin wird zum Schluß noch sehr beschwerlich: Ein Megastau in der Megacity hält uns eine gute Stunde auf. Gegen 21:00 Uhr stehen wir dann mit den Autos in den winzigen Gässchen der Altstadt direkt unterhalb der Blauen Moschee. Es gibt sogar zwei Parkplätze für uns — perfekt!
Nach dem Einchecken gibt es fünf Minuten Zeit zum Umziehen – und dann endlich ab auf die Meile. Direkt um die Ecke landen wir im Sultan – eine geniales Restaurant in dem man die vorbeiflanierenden Leute gut beobachten kann.
Als erstes gibt es Efes, türkisches Bier. Sehr lecker. Nach der Vorspeise, Raki und noch ein Efes, bringt der Kellner die großen Grillplatten. Was für eine leckere Schlemmerei. Als der Wirt später mit der Rechnung kommt, können wir es kaum fassen. Sechzig Euro für die ganze Sause, der Hammer. Der drastisch gefallene Wechselkurs der Lira kommt uns hier sehr gelegen. Blöd nur, dass ausgerechnet Donald Trump uns dieses ‚Geschenk‘ gemacht hat.
Um Mitternacht flanieren wir selbst noch ein wenig, schließlich müssen wir unbedingt noch die Hagia Sophia und die Blaue Moschee mit ihren prächtigen Beleuchtungen sehen. Ein wunderschöner Anblick.
Die Allgäu-Orientfahrer schwelgen noch ein wenig in alten Erinnerungen. Was war das schön, als wir 2015 hier auf dem Platz das Fahrerlager hatten.
Zum Ende des Abends werden wir noch von einem Platzregen überrascht. Es ist wirklich nicht zu glauben – das Tiefdruckgebiet zieht uns konsequent hinterher.
Gegen 01:30 Uhr heißt es in den komfortablen Zimmern dann ‚Licht aus!‘.

Bonnie&Clyde: Alles tutti
Stimmung im Team: Bestens; das Nervenflattern vom Kurvenfahren ist auch wieder vorbei 🙂
Kilometer: 680
Wetter: Das Tiefdruckgebiet verfolgt uns, abends heftige Schauer

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