Tag 2: Debrecen nach Viseu de Suus

Stefan steht morgens wieder senkrecht im Bett. Warum? Christoph sägt im Schlaf ganze Wälder nieder. Der Tag beginnt mit einem Duschfest. Genießen bis das Wasser kalt wird – wer weiß, wann der nächste Wasserstrahl unsere Häupter trifft.
Eva hat großartiges Frühstück gemacht und es gibt Rührei satt. Im Kaffeebecher steht der Löffel – der schwarze Teer weckt alle Lebensgeister.
Wir bummeln ein wenig rum und kommen gegen 09:30 Uhr los. Wobei das eigentlich 10:30 Uhr ist, denn gleich nach der Grenze überqueren wir die erste Zeitzone.
An der rumänischen Grenze werden wir das erste mal kontrolliert. Aber wohl nur, damit die Grenzer unsere Autos ein paar Minuten länger bestaunen können.
Hier in Rumänien fängt der Osten, fängt die Rallye erst so richtig an. Die Autobahn ist längst vorbei und unser Weg führt doch gleichwohl ärmliche, wie pittoreske Dörfer. Hier prägt der obligatorische Panjewagen immer noch die Szene, auch wenn auf den großen Feldern in den weiten Ebenen
zumeist große westeuropäische Landmaschinen im Einsatz sind. Mittlerweile hat sich das Wetter gebessert. Wir haben das Tiefdruckgebiet überholt und es ist wieder Hochsommer. Leider haben wir morgens zu lange gebummelt. Drei Stunden vor dem Ziel zeigt uns das Navi (pfui Teufel!), dass wir
um 15:50 Uhr in Viseu de Suus ankommen werden. Oha, das wird knapp. Schließlich sollen wir unbedingt PÜNKTLICH um 16:00 Uhr dort sein, belehrt uns das Roadbook. Es soll mit der Bahn (keine Ahnung, was für eine) weitergehen und die dürfe man nicht verpassen. Na dann: Rallye Mode ON! Wir wollen ein
wenig Zeit herausfahren. Da passt es ja super, dass das Gelände hügeliger und die Strassen kurviger werden. 🙂 In den nächsten zweieinhalb Stunden müssen Bonnie und Clyde zeigen, was ein untermotorisierter koreanischer SUV so alles kann. Nach Duzenden am Limit gefahrenen Kurven fangen bei Bonnie die Lager an zu quieken, ein erster zarter Hinweis auf den Status ‚Gebrauchtwagen‘. Aus den bewaldeten Hügeln heraus fahren wir jetzt direkt an der GRenze zur Ukraine entlang. Ein Mist, dass wir so knapp in der Zeit sind. Andrenfalls hätten wir eben noch schnell einen Länderpunkt extra machen können. Hier, in der Abgeschiedenheit im Norden Rumäniens wird es so richtig schön. Man merkt, dass es eine Gegend der Holzverarbeitung ist. Wir sehen prächtige, aus Holz gebaute Häuser mit ebensolchen
Zäunen und verschnörkelten Türen oder Toren. Eine besondere Augenweide sind die rein aus Holz erbauten Kirchen. Spitze, mit filigranen Holzschindeln bedeckte Türme krönen unzählige wunderhübsche eherne Gotteshäuser. Allein die Anmut dieser Dörfer hier lohnt die Reise.

Und dann endlich kommt Videu de Suus in Sicht. Wir kommen auf einem Bahnhof an — in dem gleich mehrere Dampflokomotiven qualmend und pfeifend auf den Dienstbeginn zu warten scheinen. Wir werden von Ulli, einem Schweizer Urgestein, empfangen; als erstes gibt es dann einen anständigen Schnaps. Der so lecker ist, dass wir gleich drei davon nehmen. Auf nüchternen Magen und schon ist Team Südheide glücklich. Während eine lokale Musikantentruppe für uns aufspielt trudeln dann langsam die anderen Teams ein. Und dann, als unser Oberorgansiator Borris mit einer Stunde Verspätung auch endlich da ist, heißt es ein paar Klamotten zusammensuchen und rauf auf den Zug.
Eine wunderschöne alte Dampflok mit drei Wägelchen zuckelt mit uns in die abgeschiedene Bergwelt. Zwei Stunden sind wir mit der Bimmelbahn unterwegs, bis wir an unserem Zielort mitten im OFF ankommen. Hier in den unzugänglichen Wäldern wird heute noch in gleicher Weise wie seit Jahrhunderten Holzwirtschaft betrieben. Und die kleine Bahn ist die einzige Verbindung in diesen Urwald hinein.
Oben angekommen schlagen wir schnell unsere Zelte auf – und dann wird gefeiert. Es gibt eine unendliche Menge an leckerm Essen, das Uli, seine Frau und ein paar lokale Helfer für uns zaubern. Dazu werden reichlich lokale Getränkespezialitäten gereicht und die mitgereisten Musikanten fideln für uns.
Das zum Schluß noch entzündete große Lagerfeuer wirkt als endgültiger Stimmungsverstärker: Wir sind definitiv zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Gegen Mitternacht endet der Tag und vier glückliche Südheide-Abenteurer werden vom dieselbetriebenen Stromerzeuger in den Schlaf gebrummt.

Bonnie&Clyde: Bonnie quietscht unter Last in der Kurve; einfach ignorieren
Stimmung im Team: prächtig
Kilometer: 400
Wetter: Sommer in Rumänien, kühl in den Bergen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.