Tag 16 – Unterwegs auf der Seidenstrasse von Buchara nach Taschkent

Unsere Herberge war wieder wunderbar, eigentlich zu gediegen für solch eine Reise. Zum Frühstück gibt es heute regionale Spezialitäten. Die Herbergsmutter ist ein wenig böse mit uns: Wir hatten extra für sieben Uhr Frühstück bestellt, doch wir kommen nur schwer aus den Federn. Sie hatte wohl auch eine kure Nacht und schläft neben uns im Sitzen wieder ein.
Frisch gestärkt gehen wir den nächsten Abschnitt der Seidenstrasse an. An diesem Tag soll es über Samarkand nach Taschkent gehen, der Capitale von Usbekistan.
Heute sind wir klüger und tanken gleich als erstes. Nicht wieder so ein Drama wie gestern. Die Strasse ist wieder viel besser als erwartet, wir kommen schnell voran. Die Gegend unterscheidet sich nicht vom gestrigen Tag, wieder viel öde Steppe. In Smakand landen wir direkt in der alten Innenstadt. In einem wundervoll angelegten Park bewundern wir die große historische Moschee-Anlage und sehen auch die riesige Statue von Islam Karimov, der das Land nach der Unabhängigkeit so lange autokratisch beherrscht hat. Hier gibt es wieder unzählige westliche Touristen, die als kleine oder große Reisegruppen durch die Stadt ziehen. Wir besuchen auch den angepriesenen Bauernmarkt, der allerdings einigemaßen enttäuschend daherkommt. Es ist zwar wunderschön bunt – die Wuselei eines orientalischen Basars verströmt dieser Ort allerdings nicht. Die farbenfroh gekleideten Verkäuferinnen, die ihre selbstangebauten Obst- und Gemüsevariationen anbieten, ist allerdings viele tolle Fotos wert.
Auf dem Rückweg vom Markt machen wir noch beim Friseur halt. Carsten und ich lassen uns fachmännisch vom jungen Sohn des Coiffeurs das Haupthaar stutzen. Das wurde auch Zeit, denn eigentlich sollte der Haarschnitt schon in Istanbul erfolgen.
Vor der Weiterfahrt nach Taschkent telefoniere ich noch länger mit Heinrich Schmidt, den wir in ein paar Tagen besuchen wollen. Er wohnt in ‚Rot-Front‘, einer deutschen Siedlung in Kirgisien und spricht am Telefon ein perfektes deutsch. Der Abstecher dorthin wird uns tausend Kilometer Umweg kosten – doch das wird es wert sein. Denn dort wollen wir die wirkliche Geschichte und die Wurzeln der Spätaussiedler kennen lernen, die bei uns zu Haus unter dem missverstandenen Begriff der ‚Russland-Deutschen‘ subsumiert werden. Doch dazu dann in ein paar Tagen mehr…
Vor Taschkent wird die Gegend wieder grüner und Baumwollfelder ziehen sich hier in der Ebene bis an den Horizont. Usbekistan ist der viertgrößte Produzent dieser watteweichen Feldfrucht.
Unterwegs sehen wir unzälige Storchennester auf waghalsigen Konstruktionen oben auf den Strommasten. Durch die intensive Bewässerung muss es also eine Menge Kleingetier geben.
Die Stadt Taschkent überrascht mit einem, zum Rest des Landes in totalem Kontrast stehenden Aussehen. Im Gegensatz zu der historischen Anmut von Buchara und Samarkand gibt sich die Hauptstadt Taschkent modern und kosmopolitisch. Hier ist vom Flair der Seidenstrasse nix zu spüren. Hier will man vorn dabei sein. Wir kommen in der Dämmerung in der Stadt an und finden in einer günstigen Bleibe Quartier – hier in der Großstadt macht Zelten keinen Sinn. Cord und Josch sind heute platt. So gehen Carsten und ich nach dem Essen nochmal allein los. Ein Bier vor dem Schlafen wäre nett. Gleich um die Ecke gibt es zufällig eine Ecke mit mehreren Nachtlubs. Wir landen im
„The Temple Pub“, einer Mischung aus Restaurant und Discothek, der mit Devotionalien englischer Fussballclubs vollgestopft ist.
Neben uns am Tisch feiert eine Gruppe einheimischer Büro-Menschen, die unglaublich viel Spaß zu haben scheint. Als die richtige Musik läuft, bieten die Männer eine Runde Ausdruckstanz zu ansprechender russischer Elektro-Musik. Mein Shazam läuft mit, damit wir diese coole Musik morgen im Auto nachhören können. Gegen Mitternacht haben wir genug von diesem Etablissement und verschwinden in die Fall.

Bonnie&Clyde: Ich höre das Quietschen gar nicht mehr…
Stimmung im Team: Der Apotheker ist gefragt; Durchfall und Husten/Schnupfen bei drei Reiseteilnehmern
Kilometer: 560
Wetter: wieder angenehm warm

3 Antworten auf „Tag 16 – Unterwegs auf der Seidenstrasse von Buchara nach Taschkent“

  1. Großartig!!!
    Ich denke, dass ich euch auf einigen Strecken begleitet habe ;-).
    Danke für die spannenden, lustigen und interessanten Beiträge.
    Habt noch ganz viel Spaß und kommt gesund zurück.
    Ganz besonders, mein Lieblingsnachbar.

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