Tag 11 – Von Balbosar nach Quchan

(Blog verspätet – in Turkmenistan ist Internet kaum verfügbar)

Zusammengefasst: Morgens cool, tagsüber Strecke abreissen und abends wieder cool.

Doch zunächst noch eine Korrektur zum gestrigen Abend. Als letzte Nacht der Blog geschrieben war, das war so gegen eins oder halb zwei, kamen noch zwei Freunde von Kivan, unserem Gastgeber. Schnell kam das Gespräch mit dem leidlich Englisch sprechenden Päärchen in Gang, obwohl wir doch eigentlich in die Falle mussten. Nur Carsten schlief schon. Und völlig unerwartet stand pötzlich eine Plastikflasche auf dem Tisch, deren Inhalt wir so gar nicht erwartet hätten. Türkischer Kartoffelschnaps von guter Qualität. Unsere neuen persischen Freunde erzählten uns, dass es mehr oder weniger normal sei und sehr viele Iraner hinter verschlossener Tür einem guten Tropfen nicht abgeneigt seien. So trinken, lachen und erzählen wir bis kurz nach drei Uhr morgens. Der letzte Funken Vernunft treibt uns dann in den Schlafsack.

Der Morgen beginnt um viertelvorsieben (!) mit einem herrlichen Bad im wohl 27 Grad warmen Kaspischen Meer. Niemand außer uns ist am langen braunen Sandstrand zu sehen. Leider ist Bewölkung aufgezogen, so dass der ultimative Kick – Sonnenaufgang beim Schwimmen – leider entfällt. Trotzdem ein außergewöhnlich schönes Erlebnis. Frisch gebadet gibt es anständiges Bundeswehrfrühstück (EPA) mit lecker löslichem Jacobs-Kaffee vom ‚Sponsor‘ JDE.
Wir verabschieden uns von Kivan und seinen Nachbarn, die mittlerweile auch um uns herumstehen. Vor der Weiterfahrt cruisen wir mit den Autos noch einen Moment direkt an der Wasserlinie am Strand und fangen dies Szene mit ein paar herrlichen Fotos ein.
Dann schlagen wir den Weg nach Nordosten ein, Richtung turkmenischer Grenze. Die Strecke geht durch eine abwechslungsreiche Landschaft im Nordosten des Iran. Öde Steppe, grüner Mischwald, weitläufige Äcker, schroffe Berge – in loser Folge ändert sich das Bild. Aber ein Problem gibt es hier durchgehend: Müll. Die Iraner scheinen sich nicht daran zu stören und werfen ihren Abfall überall in der Gegend herum. Besonders krass ist das in einem Naturreservat zu sehen, in dem Wildschweine und Bären leben. Hunderte Familien picknicken im lichten Laubwald. Und sie sitzen mitten im Plastikmüll. Unfassbar für den Mitteleuropäer.
Vom USB-Stick läuft ‚Hit The Road, Jack‘ im Dancefloor-Remix in voller Lautstärke als wir am späten Nachmittag früher als erwartet Bodschnurd erreichen. Wir machen eine kurze Pause, die Autos brauchen Öl. Wie sich herausstellt, ist uns auf den letzten hundert Metern ein Moped gefolgt. Der darauf sitzende Iraner spricht uns in exzellentem Englisch an und lädt uns in seinen ‚Workshop‘, seine Werkstatt ein. Im Keller eines Geschäftshauses betreibt Mohsen, so heißt unser neuer Freund, gleich mehrere Gewerbe: Ein Reisebüro, eine Seilzug- und Wagenheberreparatur und, mit seinem selbstgebauten Kettenzug, auch einen Kranverleih. Und er ist extrem Rallye-interessiert. An seinem Kühlschrank – im Vorzimmer zur Werkstatt – prangen Aufkleber und Erinnerung an vorangegangene Begegnungen mit Rallye-Touristen, die den Iran durchquerten. Natürlich kennt er die Tajik Rally und auch die Mongol Rally, deren Troß vor vier Wochen hier durchgekommen ist. Lustig ist auch, dass er Hussein, unseren iranischen ‚Schleuser‘ kennt. Mit ihm und einige anderen betriebt er das digitale Netzwerk ‚Overland in Iran‘. Wie klein ist die Welt.
Wir trinken Tee und berichten uns gegenseitig von Abenteuern und Begegnungen mit interessanten Menschen.
Schweren Herzens verabschieden wir uns Richtung Quchan. Vorher kleben wir noch Aufkleber vom Team Südheide an seine Haustür und seinen alten Kühlschrank und versprechen, Werbung für die Facebook-Seite ‚Overland in Iran‘ zu machen.
Gegen 21.00 Uhr endet unsere Tagesetappe im grenznahen Quchan. Ausgiebiges Duschen wäre nett, uns so soll es heute wieder ein Dach über dem Kopf geben. Das erste Hotel am Platz ist unseres. Spartanisches Vierbettzimmer mit Gemeinschaftsdusche auf dem Flur, mit ‚ohne Frühstück‘ aber kostenfreies Parken im dunklen Hinterhof. Egal, für umgerechnet 15€ ‚all in‘ kann man nichts verkehrt machen und die hier heiß begehrten Dollars werden langsam knapp.
Die Registrierung am schmalen Rezeptionstisch beschäftigt gleich drei Iraner und dauert eine halbe Ewigkeit. Endweder sind sie Touristen nicht gewohnt oder der Abgleich der Daten mit dem Geheimdienst dauert so lang. So sind wir erst gegen 22:15 Uhr ausgehfertig und wollen noch zu Abend essen. Nach langem Fußmarsch werden wir in einer winzigen Bodega fündig. Business as usual – es gibt am Spieß gebratenes Fleisch. Auch hier in der Start werden wir nahezu an jeder Ecke mit einem freundlichen ‚Salam‘ begrüßt.
Heute heißt es ausnahmsweise schon um kurz vor Mitternacht ‚gute Nacht, John-Boy‘.

Bonnie&Clyde: Immer noch ohne Klimaanlage
Stimmung im Team: Baden im Kaspischen Meer – mehr geht nicht
Kilometer: 680
Wetter: Sonnig&warm,und das ohne Klimaanlage…

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