(T-1) „Was jetzt noch fehlt, das braucht man nicht“

Samstagmorgen 05:30 Uhr — was war das für eine Nacht! Hab‘ kaum ein Auge zugemacht. Zwei Stunden Schlaf sind das mageres Ergebnis von ’nochmal so richtig ausschlafen‘. Da habe ich die Auswirkungen des Reisefiebers wohl doch unterschätzt. Ich musste die halbe Nacht noch Sachen packen, nicht nur Klamotten sondern auch mein ganzes elektronisches Gedöns. Immer wieder der Gedanke daran, was ich wohl noch vergessen habe.
WAS JETZT NOCH FEHLT, DAS BRAUCHT MAN NICHT — mit diesem Gedanken im Kopf hole ich Stefan aus Bremen ab. Los geht’s in die alte Heimat, Cord und Carsten warten schon. Die letzten Handgriffe an den Autos, die von Cord gebastelten Dachträger müssen noch verschraubt werden. Ich liebe die drangeschraubten Skier in Wagenfarbe. Dann noch schnell bei Mama Kaffee ziehen und ein Brötchen auf die Faust – los geht’s Richtung Süden.
In Rhüden am Harz treffen wir die Jungs vom Harzer Tajik Rally Team. Das halbe Dorf ist zum Rewe-Markt gepilgert, um ihre Helden mit einem letzten Lebewohl zu verabschieden. Zusammen mit Paule und seinen drei Kameraden aus dem Harz fahren wir über die staufreien Strassen in Ostdeutschland im Konvoi Richtung Bayern.
Und schlagartig ist der Sommer vorbei. Je näher wir Seehofers Freistaat kommen, desto schlechter wird das Wetter. Regen. REGEN! Die WetterApp zeigt es dann: Hohenthann, unser Tagesziel, ist aktuell der kälteste Ort in Mitteleuropa. Tolle Wurst.

Um kurz vor 18:00 Uhr laufen wir dann auf dem Hof der Schloßbrauerei ein. Oh, außer uns ist (noch?) niemand da. Nach einer Weile trudeln dann doch der Oberorganisator Borris und Sabine samt Nachwuchs ein. Wir stellen Bonnie und Clyde – so heißen unsere zwei vierrädrigen Kameraden seit heute – in Fluchtrichtung ab und errichten unser kleines Zeltlager auf der regennassen Obstwiese. Bei der Anmeldeprozedur gibt es einen Sechserträger der lokalen Bierspezialität pro Auto – nehmen wir gern!
Nachdem noch zwei, drei weitere Teams eingetrudelt sind, steigt die PreStartParty. Mit anderen Worten: Wir gehen gemeinsam in der Kneipe gegenüber Essen. Standesgemäß gibt es Wiener Schnitzel ‚echt‘ und dazu Hohenthanner Weißes. Lecker, lecker.
Natürlich wird über erlebte und vor uns liegende RallyeAbenteuer gefachsimpelt. Die Erzählungen von zwei Tajik-Fahrer des letzten Jahres machen noch einmal deutlich: Da liegt ein wirklich cooles Abenteuer vor uns.
Mit zwei Stunden Schlaf aus der letzten Nacht und 900 Kilometern Autobahnasphalt in den Knochen heißt es für die Helden der Südheide aber bereits um 22:30 Uhr „Licht aus“. Ein leises Tröpfeln aus den regenschwangeren Wolken begleitet uns durch eine traumlose Nacht.

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